Im Kaufrecht und im Werkvertragsrecht ist es mitunter nicht leicht, zwischen einem Schadensersatz neben und statt der Leistung zu unterscheiden. Eine Entscheidung des BGH (Urteil des VII. Zivilsenats vom 7.2.2019 - VII ZR 63/18) kann zur Abgrenzung herangezogen werden, wodurch die Situation vielleicht etwas durchsichtiger wird.
Hier die Entscheidung
Zunächst der erste Leitsatz
"Mit dem Schadensersatzanspruch neben der Leistung gemäß § 634 Nr. 4, § 280 Abs. 1 BGB kann Ersatz für Schäden verlangt werden, die aufgrund eines Werkmangels entstanden sind und durch eine Nacherfüllung der geschuldeten Werkleistung nicht beseitigt werden können. Hiervon erfasst sind mangelbedingte Folgeschäden, die an anderen Rechtsgütern des Bestellers oder an dessen Vermögen eintreten (Fortführung von BGH, Urteile vom 22. Februar 2018 - VII ZR 46/17 Rn. 58, BauR 2018, 815 = NZBau 2018, 201 und vom 16. Februar 2017 - VII ZR 242/13 Rn. 23, BauR 2017, 1061 = NZBau 2017, 555)."
Nun die Gründe
"Die Klägerin verlangt von dem Beklagten, der eine
Kfz-Werkstatt betreibt, Schadensersatz in Höhe von 1.715,57 € mit der
Behauptung, aufgrund fehlerhafter Arbeiten im Rahmen eines Wartungsvertrags seien
Schäden an ihrem Pkw eingetreten…
Ein Anspruch der Klägerin auf Schadensersatz wegen der an
der Lichtmaschine und der Servolenkungspumpe eingetretenen Schäden ergibt sich
aus § 634 Nr. 4, § 280 Abs. 1 BGB. Es handelt sich um einen
Schadensersatzanspruch neben der Leistung, der eine Fristsetzung zur
Nacherfüllung nicht erfordert.
a) Nach der Rechtsprechung des Senats kann mit dem
Schadensersatzanspruch neben der Leistung gemäß § 634 Nr. 4, § 280 Abs. 1 BGB
Ersatz für Schäden verlangt werden, die aufgrund eines Werkmangels entstanden
sind und durch eine Nacherfüllung der geschuldeten Werkleistung nicht beseitigt
werden können. Hiervon erfasst sind mangelbedingte Folgeschäden, die an anderen
Rechtsgütern des Bestellers oder an dessen Vermögen eintreten (vgl. BGH, Urteil
vom 22. Februar 2018 - VII ZR 46/17 Rn. 58, BauR 2018, 815 = NZBau 2018, 201,
zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen, und Urteil vom 16. Februar 2017 - VII
ZR 242/13 Rn. 23, BauR 2017, 1061 = NZBau 2017, 555, jeweils zum
Architektenvertrag; vgl. auch BGH, Urteil vom 28. Februar 2018 - VIII ZR 157/17
Rn. 21, NJW 2018, 1746 zum Mietvertrag sowie BGH, Urteil vom 19. Juni 2009 - V
ZR 93/08 Rn. 12 ff., BGHZ 181, 317 zum Nutzungsausfall).
Dies entspricht dem der Schuldrechtsmodernisierung
zugrundeliegenden Konzept des Gesetzgebers, mit dem das Leistungsstörungsrecht
vereinfacht und vereinheitlicht werden sollte. Liegt eine Pflichtverletzung in
Form einer mangelhaften Werkleistung vor, ist danach zwischen dem
Schadensersatzanspruch statt der Leistung gemäß § 634 Nr. 4, §§ 280, 281 BGB
und dem Schadensersatzanspruch neben der Leistung gemäß § 634 Nr. 4, § 280 Abs.
1 BGB zu unterscheiden. Der Schadensersatzanspruch statt der Leistung gemäß §
634 Nr. 4, §§ 280, 281 BGB tritt an die Stelle der geschuldeten Werkleistung
und erfasst damit das Leistungsinteresse des Bestellers. Er erfordert zunächst
- vorbehaltlich der geregelten Ausnahmen - eine Fristsetzung zur Nacherfüllung,
um dem Unternehmer eine letzte Gelegenheit zur Erbringung der geschuldeten Werkleistung,
also zur Herstellung des mangelfreien Werks, zu geben. Demgegenüber sind gemäß
§ 634 Nr. 4, § 280 Abs. 1 BGB die über das Leistungsinteresse hinausgehenden
Vermögensnachteile, insbesondere Folgeschäden an anderen Rechtsgütern des
Bestellers als dem Werk selbst oder an dessen Vermögen, zu ersetzen (vgl.
BT-Drucks. 14/6040, S. 225, 263).
Für derartige Folgeschäden kommt die Setzung einer Frist zur
Nacherfüllung gemäß § 634 Nr. 4, § 281 Abs. 1 BGB nicht in Betracht. Denn der
Zweck dieser Fristsetzung, dem Unternehmer eine letzte Gelegenheit einzuräumen,
ein mangelfreies Werk herzustellen, kann nicht erreicht werden in Bezug auf
Schäden, die durch eine Nacherfüllung der geschuldeten Werkleistung nicht zu
beseitigen sind (vgl. BGH, Urteil vom 8. Dezember 2011 - VII ZR 198/10 Rn. 12,
BauR 2012, 494 = NZBau 2012, 104; vgl. so schon zum alten Schuldrecht BGH,
Urteil vom 7. November 1985 - VII ZR 270/83, BGHZ 96, 221, juris Rn. 18 f., und
Urteil vom 16. Oktober 1984 - X ZR 86/83, BGHZ 92, 308, juris Rn. 11)..."
Fazit
Der Anspruch auf Schadensersatz neben der Leistung nach §§ 634
Nr. 4, 280 I BGB kann bestehen, wenn eine Sache mangelhaft repariert wird
und dadurch Folgeschäden an Teilen entstehen, die nicht Bestandteil der ursprünglich
geschuldeten Werkleistung sind.
Hier sind weitere Artikel zum Werkvertrag zu finden
Was
ist ein Werklieferungsvertrag?
Schadensersatz
nach Kündigung eines Werkvertrags
Die
Selbstbeseitigung beim Werkvertrag


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